Was Marktbeobachtung leisten kann und was nicht
- Veröffentlicht
- 2. September 2026
- Verfasst von
- Christobal Föhn
Herausgegeben von Prime Tech Group AG. Beiträge geben die Einschätzung des Unternehmens zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.
Beobachtung erzeugt Übersicht, nicht Gewissheit. Über den Unterschied zwischen einer belastbaren Einordnung und einer Prognose im Gewand einer Analyse.
Marktbeobachtung gilt als nüchterne Tätigkeit. Sie wird es allerdings erst durch eine Unterscheidung, die in der Praxis oft unterbleibt: die zwischen dem, was beobachtet wurde, und dem, was daraus gefolgert wird.
Beobachtung und Folgerung sind nicht dasselbe
Dass eine Anzahl Unternehmen in einem Zeitraum in eine Technologie investiert hat, ist eine Beobachtung. Dass diese Technologie sich durchsetzen wird, ist eine Folgerung. Die erste lässt sich belegen, die zweite nicht.
Werden beide im selben Absatz und im selben Tonfall vorgetragen, übernimmt die Folgerung die Glaubwürdigkeit der Beobachtung, ohne sie verdient zu haben. Das ist der häufigste Mangel in Marktberichten, und er ist meist nicht beabsichtigt.
Rückschaufehler
Marktbeobachtung stützt sich auf das, was sichtbar geworden ist. Sichtbar wird überproportional, was funktioniert hat. Vorhaben, die eingestellt wurden, hinterlassen selten eine Spur, die sich auswerten liesse.
Daraus folgt eine systematische Verzerrung: Der beobachtbare Ausschnitt sieht erfolgreicher aus als die Grundgesamtheit. Eine Aussage über Erfolgsquoten, die auf sichtbaren Fällen beruht, überschätzt sie zwangsläufig.
Zeitliche Auflösung
Beobachtung erfasst Zustände, nicht Bewegungen. Zwei Aufnahmen im Abstand eines Jahres zeigen eine Veränderung, aber nicht deren Verlauf und nicht, ob er anhält. Aus zwei Punkten lässt sich jede beliebige Kurve zeichnen.
Das spricht nicht gegen Vergleiche über die Zeit. Es spricht dagegen, aus einer kurzen Reihe eine Richtung abzuleiten und diese fortzuschreiben.
Was übrig bleibt
Was Marktbeobachtung zuverlässig leistet: Sie zeigt, welche Fragen sich andere gestellt haben, welche Ansätze existieren und wo sich Aufwand konzentriert. Das ist nützlich, weil es den eigenen Suchraum ordnet.
Was sie nicht leistet: eine Aussage darüber, was als Nächstes geschieht. Wer das verlangt, bekommt eine Prognose im Gewand einer Analyse — und zahlt dafür den Preis, dass beide nicht mehr auseinanderzuhalten sind.