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Aufbauen oder einkaufen: eine Entscheidung mit Folgekosten

Veröffentlicht
11. September 2026
Verfasst von
Christobal Föhn

Herausgegeben von Prime Tech Group AG. Beiträge geben die Einschätzung des Unternehmens zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.

Die Wahl zwischen Eigenentwicklung und Zukauf wird häufig als Kostenfrage geführt. Sie ist vor allem eine Frage darüber, welche Abhängigkeit tragbar ist.

Die Entscheidung, eine Fähigkeit selbst aufzubauen oder einzukaufen, wird meist mit einer Kostengegenüberstellung begründet. Diese Rechnung ist notwendig, aber sie erfasst den kleineren Teil des Entscheids.

Was die Kostenrechnung erfasst

Auf der Einkaufsseite stehen Lizenz- oder Nutzungsgebühren, Integrationsaufwand und Schulung. Auf der Aufbauseite Personal, Zeit bis zur Einsatzfähigkeit und laufender Unterhalt. Diese Posten lassen sich schätzen, und die Schätzung fällt für den Zukauf fast immer günstiger aus, weil Entwicklungsaufwand geteilt wird.

Was sie nicht erfasst

Nicht erfasst wird, wie sich die Handlungsfähigkeit über die Zeit verändert. Wer einkauft, übernimmt den Entwicklungspfad der Anbieterin: deren Prioritäten, deren Zeitplan, deren Preisgestaltung. Solange diese passen, ist das ein Vorteil. Wenn sie nicht mehr passen, ist der Aufwand für einen Wechsel bereits gewachsen.

Wer aufbaut, behält den Pfad, zahlt dafür aber dauerhaft — nicht nur die Entwicklung, sondern auch das Wissen, das gehalten werden muss, damit das Ergebnis wartbar bleibt. Eigenentwicklung, deren Kenntnis an einzelnen Personen hängt, ist eine Abhängigkeit wie jede andere, nur eine schlechter sichtbare.

Die Frage nach der Nähe zum Kern

Eine praktikable Leitlinie: Was ein Unternehmen von anderen unterscheidet, gehört eher in die eigene Hand. Was alle in ähnlicher Form benötigen, ist ein Kandidat für den Zukauf. Buchhaltung kauft man ein. Das Verfahren, das den eigenen Vorteil ausmacht, eher nicht.

Die Schwierigkeit liegt darin, ehrlich zu bestimmen, was tatsächlich unterscheidend ist. Die Neigung, den eigenen Anteil daran zu überschätzen, ist verbreitet und teuer.

Der Zwischenweg und sein Preis

Häufig wird ein Mittelweg gewählt: einkaufen und anpassen. Das ist sinnvoll, hat aber eine eigene Kostenstelle — jede Anpassung muss bei jedem Versionswechsel der Anbieterin nachgeführt werden. Wer diesen Aufwand nicht einplant, hat den Mittelweg als das günstigste beider Modelle verbucht, obwohl er Elemente beider Kostenseiten trägt.

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